Posts

Datum:
02.08.2011
Autor:
Mimi

Kunst macht mich wahnsinnig glücklich: Interview mit Elisabeth Wolf

Heute haben wir die große Freude Elisabeth Wolf zu interviewen. Die gebürtige Leipzigerin ist 25 Jahre alt und hat, wie sie selber sagt, „ihr Herz an die Kunst verloren“. Als Lagqaffe macht sie Bilder im Streetart- Stil. Ausbildungstechnisch hat sie sich allerdings für etwas Handfestes entschieden: Elisabeth steckt gerade in den letzten Zügen ihres Bauingenieurstudiums. Ihre künstlerische Ausbildung entstand „learning by doing“. „Ich zeichne seitdem ich den Stift halten kann!“ Vor etwa vier Jahren ging sie vom reinen Zeichnen zum Malen auf Leinwand über. Einen großen Wunsch hatte Elli schon immer: Eine eigene Ausstellung. Mittlerweile hat sie sich den Traum bereits mehrfach erfüllt. Zur Zeit sind ihre Werke in Leipzig in der sju- Galerie zu sehen.

Elisabeth, wolltest du schon immer Künstlerin werden?

Mit dem Gedanken Künstler zu werden, hab ich mich schon sehr früh beschäftigt. Um ehrlich zu sein, hab ich vor 10 Jahren zu meinen Eltern gesagt: “Ich werde mal reich mit Kunst”.

Wie haben sie reagiert?

Sie haben gelacht. Mittlerweile ist das Reich werden auch nicht mehr mein Ziel bzw. nur ein untergeordnetes. Kunst macht mich einfach wahnsinnig glücklich.

Gab es Vorbilder in der Familie?

Mein Uropa war Lithograph und hat an der HGB in Leipzig die Abendschule besucht. Irgendwie liegt mir die Kunst und das Zeichnen wohl im Blut.

Warum gerade die Graffiti und Streetart-Richtung?

Ich mag diesen Schablonenstil sehr. Ich bin auch immer wieder von Graffitis und vollgetaggten Stromkästen inspiriert. Ich denk mir dann jedesmal, tag eine Leinwand voll oder verpass dem ganzen ein Passe Partout und Rahmen und kleb ein Preisschild dran. Vielen Betrachtern fehlt bei Graffitis und Streetart wohl einfach das künstlerische Arrangement. Ich persönlich befasse mich seit frühster Kindheit mit HipHop, gehe zu vielen Konzerten und bin daher eben von dieser Bewegung sehr beeinflusst. Künstlerisch und kulturell sind Graffitis und Streetart sicherlich immer noch schwierig. Ich bin aber ein großer Fan der Subkultur. Champagner aus Plastikbechern!!

Haben deine Arbeiten eine Botschaft?

Meine Bilder haben eine Botschaft, ja. Ich persönlich kann mich nicht mit dekorativer Kunst zufrieden geben. Ich möchte Aussagen treffen, eben Botschaften vermitteln. Sicherlich sind diese Botschaften oftmals plakativ, wie “Krieg ist schlecht” oder “Sei individualistisch”. Man kommt sich auch immer wieder wie David vor, der gegen Goliath kämpft in einer Welt, die mit uns spielt, wie mit einer Marionette. Wahrscheinlich beschwer ich mich auch auf sehr hohem Niveau, nur geht es da weniger um mich als Person oder meinem persönlichen Leid. Es geht vielmehr darum, den Betrachtern einen Spiegel vors Gesicht zu halten. Ich finde, wir sollten uns von dem Wohlstand unserer Gesellschaft nicht blenden lassen.

Wie kamst du auf den Namen Lagqaffe?

Ich nutze das Synonym schon ein Stück weit um mich dahinter zu verstecken. Ich zeig mich auch nicht so sehr gern. Auf “lagqaffe” bin ich dann abends zu Hause nach einer Flasche Wein gekommen. Ich mag die deutsche Sprache, von daher sollte es ein deutsches Synonym sein. Da ich viel mit Farblack arbeite, kam ich dann auf das Wortspiel “Lackaffe”. Aus stilistischen Gründen habe ich die Schreibweise ein wenig verändert.

Was macht deine Arbeiten so besonders?

Ich finde, dass gerade dieser Schablonenstil, der doch sehr an Streetart erinnert und mit den gleichen technischen und künstlerischen Mitteln arbeitet, den Weg in die heimischen Wohnzimmer finden sollte. Meine Kunst findet das künstlerische Arrangement, dass der Streetart oder den Graffitis fehlt, auch wenn die Arbeitsweise an sich ähnlich ist. Es steckt immer wieder sehr viel Arbeit dahinter, aber mindestens genauso viel Herz, Schweiß und Tränen. Auf diesem Weg gewinnt man auch eine junge Generation und führt sie somit an Kunst heran. Ich finde das wichtig, weil der Mensch beschäftigt werden muss und warum denn nicht mit Kunst und Kultur?! Das Rad neu zu erfinden ist sicherlich schwierig. Ich hoffe dennoch, dass ich den Betrachtern ein Stück von mir mit auf den Weg geben kann.


Schreibe einen Kommentar

Zurück zur Übersicht
* Pflichtfelder

Finde Geheimnisse

DE  |  EN